Der Sockensturz 

Ja, so kann es passieren nach einem schweißtreibenden Arbeitstag: Da kehrt man ein ins Haus, macht sich vor dem Abendbrot noch etwas frisch und merkt, dass die Socken genauso schwitzen wie man selbst. Da man die müden Knochen nicht in die Wäscheküche im Keller bewegen will, entledigt man sich an Ort und Stelle der baumwollenen Verbindung zwischen Fuß und Schuh. Alsdann hängt man die duftenden Socken nicht etwa wie einen Fußballstiefel an den Nagel, sonder stülpt sie über die Fensterbrüstung, damit sie draußen gut druchlüften können.

Genau das tat unlängst ein Müsener. Nicht bedacht hatte er, dass ein anderes Familienmitglied das Badezimmer betreten und – um einer Narkose zu entgehen – das angelehnte Giebelfenster vollständig öffnen könnte. Mit der folge, dass die bis dato eingeklemmten Socken jeden halt verloren und auf das Dach rutschten. Aber auch das geschah exakt an jenem rabenschwarzen Tag. Nun existiere im Hauhalt eines Otto Normalverbrauchers zwar Strümpfe nicht wie Sand am Meer, aber die Nachtschränkchen sind in der Regel gut gefüllt. So verwundert es nicht sonderlich, dass der Sockensturz unbemerkt blieb.

Bis vor wenigen Tagen. Wind und Niederschläge ist es zu verdanken, dass die eine Fußbedeckung auf die Terrasse plumpste und die andere es immerhin bis zur Dachrinnen-Kante schaffte. Während sich Erstere problemlos vom Boden entfernen und entsorgen ließ, entpuppte sich die letztere als hartnäckiger Brocken. Erst recht nach dem Versuch, das im Laufe des Winters mehrfach gewässerte und luftgetrocknete Teil unter Zuhilfenahme eines Besenstiels mit einem gezielten „Sockenschuss“ zu erhaschen. Anstatt den Gesetzen der Schwerkraft zu folgen, landete die widerspenstige Textilie vollends in der Dachrinne. Die Familie war von den Socken.

Damit die Sparversion eines Strumpfes – ein Sparstrumpf sozusagen – beim nächsten Regenguss nicht ins Fallrohr verduften und dort eine unangenehme Verstopfung auslösen konnte, begab sich der Hausherr flugs dorthin, wo alles begann: Zum Giebelfenster. Tatsächlich gelang es ihm von dort aus, sein gutes Stück aus der Rinne zu bugsieren. Einfach dufte, meint … ph.

Quelle: Siegener Zeitung, 20.03.2009