Lichtgestalten 

Nicht nur unterirdisch ist das Bergmannsdorf Müsen am Fuße von Martinshardt und Stahlberg durchsiebt von Gängen. Auch ebenerdig durchzieht ein engmaschiges Netz historischer Kirch- und Gemeindegänge den Ort. Einige werden bis heute fleißig frequentiert. Andere sind nicht mehr oder kaum noch erkennbar. Einer zurzeit nur bei Tageslicht. Jene beliebte Abkürzung verbindet die Kirch- bzw. Wilhelmstraße mit der Glück-Auf-Straße im so genannten "Unterdorf".

Nach Sonnenuntergang sieht's dort zwischen Kirche und Stollen zappenduster aus. Zwar existiert in der Mitte des Fußweges eine Laterne, doch spendet diese seit geraumer Zeit kein Licht mehr.Nun könnte man denken, eine defekte "Birne" auszutauschen, dürfte doch nicht so schwer sein. Von wegen! Anders lautende Beteuerungen zum Trotz scheint ein Begriff von Flexibilität noch nicht in jeden Winkel gedrungen zu sein.

Bereits im November hatte ein Müsenerin die Hilchenbacher Stadtverwaltung auf den Missstand aufmerksam gemacht - möglicherweise, nachdem sie orientierungslos im Dunkeln tappend in einen Hundehaufen getreten war. Vom anderen Ende der Leitung erhielt sie ein herzliches Dankeschön für den Hinweis. Die Hoffnung, gerade in der dunklen Jahreszeit Erleuchtung zu finden, schwand von tag zu Tag, von Woche zu Woche.

Drei Monate und ebenso viele Telefonate sind seither verstrichen. Sachstand ist folgender: Zuständig für den Lichtmast, so die erhellende Auskunft aus dem Rathaus gegenüber der Anruferin, sei das RWE. Der Energieversorger wiederum habe festgestellt, dass die im Wegknick positionierte "Funzel" den recht häufig genutzten Pfad ohenhin nicht optimal ausleuchte und von daher um ein zweites Exemplar ergänzt werden solle. Dis ist zweifellos aller Ehren wert. Gleichwohl könnte der gesunde Menschenverstand kurzschließen: bis dahin lieber gedämpftes Licht als gar keines - und einen vorgezogenen Austausch der defekten "Birne" durchaus als sinnvoll erachten. Das aber geht offenbar gar nicht.

Immerhin zeichnet sich langsam ein Hoffnungsschimmer am Horizont ab: Die Tage werden länger, wie es so schön heißt. Oder im Umkehrschluss: Die Dunkelphase verkürzt sich - und mit ihr der Bedarf an künstlichen Lichtquellen. Nur ein Schelm oder Griesgram könnte jetzt daran Zweifel hegen, dass bis zum kommenden Herbst zwischen Stollenhalde und Dorfzentrum beleuchtungstechnisch wieder alles im Lot sein wird ...

Quelle: Siegener Zeitung, 13.02.2008