Wo das Gulaschkraut gedeiht 

Als Gulaschlieferanten gelten hierzulande gemeinhin Schwein, Rind oder Pute. Nicht so im alten Bergmannsdorf Müsen. Seit der Metzger den Fleischerhaken an den Nagel gehängt hat, sprießt das Gulasch dort auch aus der Erde. So ähnlich wie Spargel, nur bereits fix und fertig und im Topf. Und auch längst nicht überall, sondern nur an ausgewählten Stellen.

An einem dieser seltenen Standorte war dieser Tage Erntezeit. Allerdings handelte es sich in diesem Fall um einer Art Fremdzüchtung. Konkret: ein Dorfbewohner, 49, Typ geselliger Junggeselle, weilte auf einer Geburtstagsparty. Ausgeschenkt wurde neben diversen Getränken - darunter auch einige promillehaltigen Stimmungsmachern - eine sättigende Gulaschsuppe. Am Ende war die komplette Festschar satt, aber Suppentopf Nr. 2 noch längst nicht leer. Was also lag näher, den zu später Stund' abrückenden Gästen etwas von dem leckeren Eintopf zum Mitnehmen in die Hand zu drücken.

Der Rest der Nacht verlief weitgehend ereignislos. Nicht so der nächste Morgen. Als die Mutter des 49-jährigen ein Blumenbeet neben dem Haus bepflanzen wollte, fiel ihr Blick auf die Plastiktüte samt Schüssel. Die Frage, ob er das mitgebracht habe, verneinte Sohnemann, sich den Schlaf aus den Augen reibend. Man habe ihm die Suppe zwar transportfertig gemacht, er sie dann aber doch nicht mitgenommen. Wie aber konnte der Gulasch dann in den garten gelangen? Für den müden Müsener lag die Antwort auf der Hand: Die Gastgeberin muss die Suppe des Morgens vorbeigebracht haben.

Doch da lag der Knabe völlig schief, wie ein Anruf beim Geburtstags'kind' ergab. Seinem eigenen Gedächtnis zum trotz hatte er sich mit Terrine und Tüte in der Hand und einem nützlichen Tipp im Ohr 'Stell die Suppe am besten direkt in den Kühlschrank, den Deckel halb gekippt' durch die dunklen Gassen heimwärts begeben. Um besser nach dem Türschlüssel kramen zu können, ließ er sein leckeres Mahl vor dem Haus links liegen. Mit jedem Schritt in Richtung Bett verblasst die Erinnerung an das Mitbringsel. Entsprechend mager fiel sein Beitrag zur Auflösung des wundersamen Rätsels um das geheimnisvolle Gulaschkraut im Garten aus.

Quelle: Siegener Zeitung, 17.10.2007