Wie man sich bettet... 

"Wie man sich bettet, so liegt man", lautet ein altbekanntes Sprichwort. Nun gibt es Prinzeschen, die spüren eine Erbse unter mehreren Matratzenschichten. Fakire wiederum räkeln sich genüsslich auf Nagelbetten. Die Normalität liegt wohl mehr oder weniger dazwischen. In der Regel dient hierzulande das gemeine Bett als Nachtlager. In Frage kommen aber auch Liege, Luftmatratze, Badewanne oder - nun, wir wollen nicht ausschweifen.

Widmen wir uns lieber einem Ehepaar im besten Alter, also so zwischen 30 und 40, das gemeinsam mit seiner Clique am vergangenen Freitag das Reamonn-Konzert auf dem Siegener Schlosshof besuchte. Wie es sich für Burschen und Mädels vom Lande geziemt, führte der Weg nach der Zugabe nicht direkt zurück nach Hause, sondern vorher an die Zapfstellen des Oberzentrums. Dabei verlor sich besagtes Paar im Großstadtgewühl aus den Augen. Irgendwie, irgendwo, irgendwann zwischen Tresen und Toilette.

Irgendwann hieß es dann "Time to say goodbye". Das Pärchen vom Fuße der Müsener Martinshardt reiste getrennt. Offenbar dachte jeder vom jeweils anderen, er habe den geordneten Rückzug in heimische Gefilde bereits angetreten.

Er war fest davon überzeugt, als erster angekommen zu sein. Im festen Glauben, seine Vermählte sei noch außer Haus, und ohne Türschlüssel ausgestattet, legte er sich auf der Terrassenbank nieder. Da diese nicht sehr lang ist, musste er die krumme "Löffelchen-Lage" einnehmen. "Sie" schlummerte indes längst in weichen Daunen. Ein munteres Dauerklingeln hätte vermutlich genügt, um "Supergirl" aus den Träumen zu reißen.

Aus allen Träumen riss "ihn" derweil des Samstags gegen halb neun ein Freund und Nachbar, als der mit dem Auto seinen Sohn von der Oma holen wollte. Der Kompagnon bemerkte ihn zwar nicht, weckte ihn aber seinerseits durch lautes Gebrumm. Trotz Kühle und gekrümmter Lage wirkte der Frischluft-Fan relativ ausgeschlafen, als ihn seine besser Hälfte nach einmaligem sanften Klingeln an den Frühstückstisch bat und ihn behutsam mit einem versteckten Grinsen auf den Lippen aufklärte, dass er durchaus Stunden früher ins kuschelige Federbettchen hätte schlüpfen können.

Quelle: Siegener Zeitung, 15.08.2007

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