Arielle im Gartenteich

Nach dem frühlingshaften Winter und dem sommerlichen Frühling müsste der Herbst in diesem Jahr so etwa im Juli beginnen. Der viel zu trockene und warme April jedenfalls strafte so manch alte Bauernregel Lügen. Von täglich wechselnden Wetterkapriolen keine Spur, alles absolut verlässlich, nur halt nicht ganz normal.

Das Verlangen vieler Kinder nach einem Planschbecken wächst mit jedem milden Sommertag. Der zaghafte Einwand, es sei doch erst April, schmilzt mit der Erwiderung: ?Aber es sind 28 Grad draußen!? Wartete der Schneeschieber vor der Haustür monatelang vergeblich auf Einsätze, kommen Gießkannen momentan aus dem Tropfen nicht heraus. Freibadbetreiber stehen in den Startlöchern. Zur Erinnerung: Im April vergangenen Jahres tanzten die Menschen mit den Schneeflocken um die Wette in den Mai.

Gartenteiche versprühen einen Hauch von Urlaub, laden zum Relaxen ein, und die Natur entwickelt dort ein faszinierendes Eigenleben. Auch in Müsen über?m Wasser haben einige Dorfbewohner ihre eigenen kleinen Weiher angelegt und hegen und pflegen sie mit Hingabe. So auch ein altgedienter Feuerwehrkamerad. Anfängliche nachbarschaftliche Vermutungen, auf der Wiese entstehe ein Löschteich, mündeten in ehrlichem Respekt vor dem schmucken Tümpel.

Kürzlich war es mal wieder an der Zeit, den Teich zu reinigen. Dabei rutschte dem Gewässerwart das Handy aus der Brusttasche und verschwand Sekundenbruchteile später untern der sich kräuselnden Wasseroberfläche. Sofort wurde die Säuberungsaktion unterbrochen, und eine fieberhafte Suche nach dem Mobiltelefon begann. Doch alles Herumtasten mit den Händen war vergeblich, das Handy blieb U-Boot-mäßig abgetaucht.

Dies alles wäre nicht sonderlich erwähnenswert ohne das Auftauchen der Schwiegertochter. Nachdem sie die vergeblichen Bergungsversuche ein Weilchen beobachtet hatte, reifte in ihr eine Erkenntnis: ?So kann das ja nicht gehen. Lass mich mal.? Flugs schnappte sie sich einen Käscher und funktionierte ihn zum Handy-Suchgerät um. Ob das Fangnetz unerwartet ausschlug wie eine Wünschelrute, ist nicht bekannt. Bekannt ist indes, dass Schwiegertochter den Halt verlor und bäuchlings im erfrischenden Nass landete. Die Goldfische verfärbten sich rot vor Zorn, wurden sie doch von der Flutwelle an den seichten Rand ihres überschaubaren Lebensraums geschwemmt.

Immerhin war die Taktik der jungen Nixe von Erfolg gekrönt. Nach dem unfreiwilligen Bad touchierte Arielle (Name geändert) beim Hinausklettern mit dem Fuß das Handy. Ein entschlossener Griff, und das Strandgut lag an Land. Unbrauchbar zwar, aber komplett.

Inzwischen haben sich die Wogen der Aufregung geglättet. Schwiegertochter ist längst wieder trocken, soll aber seither das Teichufer meiden. Schwiegerpapa hat sich ein neues Handy gegönnt, soll es aber bei Reinigungsarbeiten nicht mehr in seiner Brusttasche aufbewahren. Na denn: Petri Heil!

Quelle: Siegener Zeitung, 28.04.2007

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