Vollmundige Auskunft 

Welche junge Familie träumt nicht von den eigenen vier Wänden? Von der zentralen und dennoch ruhig gelegenen Eigentumswohnung im pulsierenden Siegen oder dem gemütlichen Häuschen im Grünen? In Müsen zum Beispiel, wo freilich nicht selten mehr los ist als im Oberzentrum. Dort, im Dorf der Schächte und Stollen, darf nach längerem amtlichen Gezerre nun eine Handvoll weiterer Bauplätze entstehen.

Nun lässt sich so ein Häuschen nicht mit einem Fingerschnippen aus dem Boden stampfen. Viel mehr erfordert Erschließung, Ausschachten und Hochziehen einen gewissen Baustellenverkehr. Dazu wiederum bedarf es einer Zufahrt.

Um sich ein Bild von den Zufahrtsmöglichkeiten zu verschaffen, kontaktierte der Vertreter der Baufirma telefonisch einen der betreffenden Häuslebauer. Was der ahnungslose Mann an diesem Freitagmorgen nicht bedacht hatte: Tags zuvor war Weiberfastnacht. Das wird zwar in weiten Teilen des Siegerlandes kaum bis gar nicht gefeiert, doch was hindert es gestresste Hausfrauenherzen, für ein paar Stunden die Küchenspüle mit dem Kneipentresen zu tauschen?

Ausgerechnet eine der Teilnehmerinnen erwischte der nette Mann von der Baufirma an jenem freundlichen Freitagmorgen. Ohnehin absolut unpässlich, reizte der raue Klingelton zusätzlich Kopf und Magenwände. Er wolle, so der Anrufer, nur kurz fragen, auf welchem Weg die Baustellenfahrzeuge am besten auf die Grundstücke gelangen könnten. Doch sein gegenüber hatte Mund und Nase längst voll. "Hier gibt es kein Wege, hier gibt es garnix, nur Wiesen", gluckste die verkaterte Karnevalistin, knallte den Hörer auf die Gabel, rannte ins Bad und übergab sich dem Schicksal.

Als es ihr nach ein paar Minuten geringfügig besser ging, plagte sie das schlecht Gewissen. Also ran ans Telefon, den netten Mann von der Baufirma zurückrufen, eine Entschuldigung gemurmelt, die Sachlage in groben Zügen erläutert und alsdann die usprüngliche Frage nach den örtlichen Gegebenheiten nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet.

Selbstverständlich verzieh ihr der Auftragnehmer ihres Vertrauens. Aber ein schallendes Helau verkniff er sich wohlweislich.

Quelle: Siegener Zeitung, 24.02.2007