Schwarzer Kombi, weiße Zahl 

Ruhe ist schon eine schöne Sache, vor allem im Verkehr. In dieser Ansicht sind sich die Bewohner der Müsener Stahlbergstraße e

inige, und so freuen sie sich, dass auch bei ihnen "Tempo 30" gilt. Auch Marion Münker fühlt sich wohl in ihrem neuen Anbau an der Zufahrtsstraße zum Feriendorf. Auch sie findet die 30-Zone mehr als angemessen und trägt durch ihre Parkweise erheblich dazu bei, dass dieses Limit eingehalten wird. Wenn sie vor der Haustür parkt, dann müssen die anderen Autofahrer an ihrem schwarzen Kombi vorbeikriechen, um sich einen Überblick zu verschaffen über das, was ihnen bergab entgegenrollt.

Eines Morgens aber musste sich die Müsenerin verdutzt die müden Augen reiben, als sie einen Blick aus dem Fenster wagte. Ein paar "Stadtsoldaten" waren direkt vor ihrer Haustür aufmarschiert, um dort ein Zeichen zu setzen. Mit einer großen Schablone zeichneten sie eine weithin sichtbare 30 auf den Asphalt - für all diejenigen, die das entsprechende Verkehrsschild nach 100 Metern Fahrt vergessen haben. "Muss das denn direkt vor unserem Eingang sein?", fragte Marion Münker sofort nach. "Nein, aber hier ist der Straßenbelag am besten", rapportierte der Mann in Orange.

Nun gibt es mit Sicherheit schmerzhaftere Anblicke als den einer weißen Riesen-Dreißig. Das dachte sich auch die Marion und ließ die Sache auf sich beruhen. Bis ein Anruf aus dem Ordnungsamt kam. Nachbarn hatten sich beim Ordnungsamt beschwert, dass der schwarze Kombi direkt vor der Haustür und somit auf der weißen Doppelziffer geparkt worden sei. Und das, so lautete die amtliche Schelte in freundlichem Ton, könne doch eigentlich nicht Sinn der Sache sein! Was nützt die Dreißig, wenn sie keiner sieht.? Nichts, so viel ist klar. "Wieso aber hat mich niemand vorher gefragt, wo sie mir am wenigsten im Wege wäre?", möchte die Müsenerin wissen. "Unser Grundstück ist 100 Meter lang - mussten es gerade die 2 Mette 50 vor unserem Eingang sein?"

Rolf Skale, Leiter des Hilchenbacher Ordnungsamts, gab im Gespräch mit der SZ und nach einem Besuch vor Ort zu: "Die Sache ist etwas unglücklich." Doch müsse in der Sache eindeutig dem bröckeligen Asphaltbelag der schwarze Peter zugeschoben werden. "Woanders war's nicht so ohne Weiters möglich." Das Ausradieren der weißen Farbe sei aber nicht angemessen. Und selbst, wenn Marions Auto eines Tages beim Entladen der Einkaufstüten versehentlich mit der Stoßstange über die Zahl ragen sollte - mit Bußgeld dürfte sie wohl nicht rechnen. "Eine solche Markierung hat meiner Meinung nach keine Rechtsbedeutung", urteilte Skale auf SZ-Nachfrage. Sie sollte die Verkehrsteilnehmer lediglich an zuvor Beschildertes erinnern. Wer aber darauf parkt, gefährde andere. "Das ist doch logisches Denken".    

Quelle: Siegener Zeitung, 27.09.2006