Zum Henker mit dem Hänger 

Müsen ist nicht nur ein traditionsreiches Bergmannsdorf und Schauplatz origineller Feste, sonder ebenso ein kleines Eldorado für Traktor-Fans. Es geht das Gerücht, dass insbesondere zur Erntezeit mehr Trecker am Fuß der Martinshardt unterwegs sind als Autos.

Eine solche Landmaschine besitzt C. (Name gekürzt) nicht. Dafür verfügt sein Kombi über mehr Sitzplätze und eine Anhängerkupplung. Oft hängt das arme Ding ohne Anhang gelangweilt neben dem Auspuffrohr, derweil die Heckklappe regelmäßig nach Einkaufstouren dicht über dem Kupplungskopf ins Schloss kracht.

Einen Kracher ganz anderer Art erlebten Kupplung und Besitzer neulich nach der Konfirmation des Filius! Da wollte der 36-Jährige Festzelt-Garnituren und weitere Utensilien zurück zu den Schwiegereltern karren. Die wohnen eine Straße höher - zu Fuß eine mittlere Strapaze, mit PS unter den Sohlen ein Klacks. Das beladen des Hängers kostete einige Scheißtropfen, verlief aber ansonsten reibungslos. Das Ankuppeln war eine Sache von Augenblicken.

Hätte C. sich mehr als einen Augenblick Zeit genommen, hätte sich der Anhänger auf dem steilen Verbindungsweg sicher nicht nach wenigen Metern selbstständig gemacht. C's Bruder erblickte die anrollenden Bänke und Tische und reagierte im Handumdrehen. An der Deichsel erwischte er das ungezügelte Gefährt und schwenkte es in Richtung Wiese.

C. bekam von alldem nichts mit. Seelenruhig steuerte er dem schwiegerelterlichen Haus entgegen, stellte den Wagen ab, quälte sich aus dem weichen Fahrersitz, drehte sich um und sah - nichts. Sein Antlitz: ein einziges verständnisloses Fragezeichen. Aufklärende Worte, die wir an dieser Stelle nicht wiedergeben möchten, ließen freilich nicht lange auf sich warten. Schließlich gibt's normale Telefone, Handys und sogar Füße, die zwecks Levitenlesen gerne bereit sind, die Strapazen einer kurzen, steilen Wegstrecke auf sich zu nehmen.

Quelle: Siegener Zeitung, 23.08.2006