Ehre, wem Ehre gebührt 

Ein namhafter Gallier namens Obelix hätte wohl den Kopf geschüttelt und gesagt: "Die spinnen, die Muzener." Nun, Obelix lebte um 50 v. Chr. und Muzena heißt längst Müsen und ist

offiziell 926 Jahre alt. Muzena heißt auch das Löschboot, das während des jüngsten Hafen- festes im September ein Woche lang Butterfahrten der Extraklasse im goßen Naturfreibad unternahm. Das Schiff wiederum gehört der örtlichen Feuerwehr. Womit wir beim Thema wären.

Normal (aber was heißt am Fuße der Martinshardt schon normal?) übt der Müsener Löschzug im Zwei-Wochen-Rythmus Sonntagsmorgens ab 7 Uhr. Gestern frei- lich kam alles anders. Punkt 6.30 Uhr Uhr heulten die Sirenen die Bewohner des alten Bergmannsdorfes aus den Federn. Wohnhausbrand in der Spandauer Straße 5. Das Haus des Löschzugführers Martin Lau. Der staunte nicht schlecht: "Dat ess joh bie oohs!" Doch bevor er irgendetwas unternehmen konnte, waren seine Kameraden bereits vor Ort. Und nicht nur die. Auch die Einsatzkräfte aus Krombach und Littfeld, Silberg und Dahlbruch waren angerückt. Sogar die Werksfeuerwehr der Edelstahlwerke Südwestfalen aus Geisweid war vertreten, deren Leiter Lau ist.

Rasch begriff der Löschzugführer, dass der Einsatz fingiert war. Der massive Aufmarsch an Helmträger galt vielmehr ihm persönlich, handelte es sich für ihn doch um seine letzte turnusmäßige Übung vor dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst wegen Erreichens der Altersgrenze. Die offizielle Verabschiedung wird übrigens im März vonstatten gehen.

Das halbe Dorf hatte über den Überraschungscoup Bescheid gewusst und dicht gehalten. Martin Lau indes hatte von Tut- en und Blasen keine Ahnung.

Das Ende der Übung bedeutete keineswegs das Ende der Aktion. Hinter der nächsten Ecke lauerte bereits der Spielmannszug des Turnvereins, um die Feuerwehr-Karawane von Laus Haus zum Feuerwehr-Gerätehaus zu begleiten. Oben- drein durfte "oohs Maddin" auf dem kleinen Hafenwehr-Fahrzeug Platz nehmen - Ehre, wem ehre gebührt. Vor dem Gerätehaus dampfte die Feldküche. Zum Früh- stück gab's Gulasch mit Klößen und zum Nachtisch ein weiteres Ständchen des Tambourcorps und Mitgliedern des Musikvereins - teilweise vom Kirchturm.    

Quelle: Siegener Zeitung, 31.10.2005