Geentert - aber nicht gekentert 

Samstag, 17 September, ca.21.20 Uhr. Das Hafenfest im Müsener Freibad neigt sich dem Ende entgegen. Fest vertäut liegt die "Muzena" am Kai, wiegt sich sanft im Spiel der kräuselnden Wellen. Acht Tage Butterfahrten hat das Feuerwehrboot auf dem Buckel, jetzt aber herrscht Stille im Maschinenraum. Nur in der gemütlichen Kajüte schimmert das Licht und spiegelt sich trüb auf der Wasseroberfläche.

Derweil ist im Hafenviertel nach wie vor allerhand los. In den Bars herrscht Hochbetrieb. Grund genug für den örtlichen Löschzugführer - als Feuerwehrchef sozusagen auch Schirmherr über die "Muzena" - seinen Neffen beiseite zu nehmen mit den Worten: "Weißde watt, mir Zwo setze oos idsend moh ganz allähng eh dat Schiff on drenke eh aller Rouh jemödlech en kahle Fläsche Bier". Gesagt, getan.

Da saßen die beiden nun im Bauch des Bootes und waren alsbald tief ins Gespräch versunken. So tief, dass eine herzlose Piratenschar leichtes Spiel hatte, unbemerkt die Leinen zu kappen, mit denen das Schiff festgemacht war. Als die zweiköpfige Besatzung ihr Dilemma erkannte, schaukelte der Kahn längst auf offener See der hölzernen Badeinsel entgegen. SOS-Signale wurden geflissentlich ignoriert bzw. mit schallendem Gelächter quittiert. Doch das sollte der wachsenden Anzahl von Schaulustigen noch vergehen.

Die Blöße, auf der Insel ins dortige Schlauchboot umzusteigen, zurückzupaddeln und die "Muzena" herrenlos treiben zu lassen, gaben sich die beiden Ruhesuchenden nicht. Stattdessen besannen sie sich ihrer seemännischen Erfahrungen und warfen den Motor an. Einer schnappte sich das grosse Steuerrad (wobei er schmerzlich eine Servolenkung vermisste), der andere bediente den Regler für die Maschine.

Der erste Anlegeversuch verlief vielversprechend, scheiterte jedoch am Desinteresse der Hafenarbeiter, die Leine entgegenzunehmen. Also war eine erneute, nicht ganz störungsfreie Runde fällig. Allen Untiefen, Strudeln und Strömungen zum Trotz und entgegen vielfach anderweitiger Erwartungen klappte Anlegemanöver Nummer 2 dann aber doch wie am Schnürchen. Und so endete die wirklich letzte Fahrt der "Muzena" während des diesjährigen Hafenfestes wie es sich geziemt: "happy" und in einem Blitzlichgewitter, das so manches Feuerwerk übertraf.    

Quelle: Siegener Zeitung, 20.09.2005