Zelt hält - oder fällt 

Okay, ein Zelt ist kein festes Gemäuer, es hat nicht mal Räder wie ein Wohnwagen. Stangen, Heringe und Seile halten die hauchdünnen Stoffwände stramm. Wenn der Wind die Wolken vor sich her schiebt knittert und knattert es. Fast jedes Geräusch ist zu hören - innen wie außen -, und auch den prasselnden Regen spürt man hautnah. Na ja, beinahe hautnah. Denn so eng auch ein Zelt mit der Natur verbunden ist, so besitzt es doch in aller Regel eine gewisse Schutzfunktion. Wasser beispielsweise sollte nach Möglichkeit nicht eindringen, ein etwas kräftiger Windstoß die Unterkunft der Freizeit-Nomaden nicht sogleich zum Fallschirm umfunktionieren.

Dass es indes auch Zelte gibt, die sich nicht so sehr zum Schutz eignen, erfuhr dieser Tage eine Müsener Familie - spät zwar, aber nicht zu spät. Für zwei Erwachsene und drei Kinder plus Gepäck müsste eine Neun-Personen-Unterkunft eigentlich ausreichen, dachte sich die Mama und schlug zu. Wer geht einem Schnäppchen schon aus dem Weg, das man sowieso schon immer sein eigen nennen wollte?

Dem Barkauf folgte bares Entsetzen beim Probeaufbau des XXL-Unterschlupffes hinter dem Haus. Nach mehreren "Stoffwechseln", Stangenverschiebungen sowie diversen Schweißausbrüchen stand der Neunlieger. In angedeuteter Hufeisenform scharten sich drei Schlafkammern unter das Außenzelt. Der Innenraum erinnerte entfernt an eine Höhle. Leider erlauben Konstruktion und Material keine Feuerstelle.

Leider erlauben Konstruktion und Matrial noch etwas anderes nicht, nämlich die Benutzung bei Schnee, Sturm und schlechtem Wetter. Dies wiederum befremdete die Besitzer. Nun gut, Blizzards und Hurricanes wollten sie sich und ihre Stoffbehausung ohnehin nicht aussetzen, aber ein zünftiger Siegerländer Regenguss oder eine mittlere Bö sollten schon drin sein - oder besser eben nicht drin. Experten, die bereits während des Aufstellens eine gewisse Durchlässigkeit prophezeit hatten, sahen sich später durch die Aufbau-Anleitung bestätigt. Unten, ganz unten stand zu lesen, dass jenes Schönwetterzelt - richtig - nicht sonderlich schnee-, sturm- und schlechtwettertauglich sei.

Gerade rechtzeitig vor den jüngsten Gewitterschauern raffte der Familienclan das Mammutteil also wieder zusammen. Umtausch war angesagt. Der funktionierte tadellos. Der Nachfolger bietet zwar geringfügig weniger Platz, gilt aber dafür als wasserdicht. So steht es jedenfalls nicht nur in der Innenbeschreibung, son- dern sogar auf der Außenverpackung.

Quelle: Siegener Zeitung, 02.07.2005