St. Florians vergessene Söhne 

Wir schreiben das Jahr 2004 n. Chr. Das ganze Siegerland verharrt in herbstlicher Stille. Das ganze Siegerland?

Nein, ein kleines Dorf an der Grenze zum Sauerland leistet jedweder Festmüdigkeit erbitterten Widerstand. Und wenn im offiziellen Terminkalender tatsächlich mal eine Lücke klafft, wird kurzerhand privat eine Festivität aus dem Boden gestampft, sei es ein behaglicher Hüttenabend bei dampfenden Glühwein oder ein Straßenfest.

Ein solches fand unlängst regen Zulauf, obgleich es aus Strömen goss. Nun ist es in jenem Dorf am Fuß der Martinshardt guter Brauch, dass die Freiwillige Feuerwehr sonntags um 7 Uhr zur Übung antritt. So auch an jenem Morgen nach besagtem Straßenfest. einen näheren Blick in die Gesichter ersparen wir uns an dieser Stelle und begeben uns stattdessen an den Einsatzort. Den hatte der Löschzugführer taktisch gut ausgewählt, handelte es sich doch um die "Festmeile". Die Aufgabenverteilung war rasch festgelegt. Zwei Blauröcke übernahmen den Objektschutz. Sie könnten Stan und Olli heißen, aber auch Frank und Edwin. Doch die Namen spielen eigentlich keine Rolle. Wichtiger ist das Objekt, nämlich das Rondell. Dort war das Flüssig-Inventar schutzlos den Schützenden ausgeliefert.

Auch die schönste Übung geht irgendwann zu Ende, und so begab sich der Löschzug nach getaner Arbeit samt Einsatzfahrzeugen zurück ins Gerätehaus. Der komplette Löschzug? Nein, die Objektschützer harrten nach wie vor dienstbeflissen in der Kälte aus. Nicht hundertprozentig klären ließ sich, ob die Kameraden sich schlichtweg vergessen hatten oder ob die Beiden gewissermaßen vergessen werden wollten. Allein blieben sie indes nicht.

Die Nachbarschaft erwachte zu neuem Leben, bereit, die Spuren des Festes zu beseitigen. Nach ausgiebigen Diskussionen am Schutzobjekt entschlossen sich St. Florians verlorene Söhne zum kräftezehrenden Fußmarsch - ca. 400 Meter meist bergab. Zu jenem Zeitpunkt hatte ein Gutteil der Truppe längst die schweren Stiefel gegen bequeme Pantoffeln getauscht und es sich in der Küche oder Wohnzimmer gemütlich gemacht ...    

Quelle: Siegener Zeitung, 18.11.2004