Auf die beinharte Tour...

Wer kennt sie nicht, die haarsträubenden Geschichten des Motorradfreaks Werner. Beinharte Abenteuer erleben indes nicht nur trinkfeste Comic-Helden. Vier junge - na ja, jung gebliebene Männer aus Siegen und Müsen können ein Lied davon singen. Doch von vorn.

Unsere Geschichte beginnt mit einem durchaus originellen Geburtstagsgeschenk. eine Ehefrau - die beste von allen, würde Ephraim Kishon jetzt beteuern -, hatte ihrem Götter-gatten einen Gutschein über einige rasante Runden auf der Nordschleife des Nürburgrings "vermacht". Das war im vergangen Jahr.

Ein Winter und ein Frühling verstrichen. Erst in der Glut des Jahrhundertsommers rafft sich der reich Beschenkte auf und fragte seine Kumpels, ob sie denn nicht mit in die Eifel touren mochten. Völlig einsam und allein wollte er offenkundig nicht Kurs auf den Rennparcours nehmen. Den grundsätzlich zustimmen-den Mienen folgte ein verzweifeltes Feilschen über den Termin: Wer kann wann ?

Nach Wochen intensiver Beratung - die ersten Blätter lösten sich bereits von den Baumwipfeln - war es dann endlich so weit. Im schein der aufgehenden Morgensonne ließen die vier Kradfahrer ihrer mehr oder minder starken Maschinen aufheulen. Nach einer gemütlichen Tour ohne besondere Vorkommnisse endete die Reise vor der Schranke der Nordschleife. Trotz Gutschein durften die Siegerländer nicht auf den "Ring". Nicht etwa wegen ihrer Herkunft - das wäre ja diskriminierend gewesen -, sondern wegen der Jeans (früher sagte man mal "Texashosen" dazu). Und hier wiederum keineswegs, weil die Marke den Kontrolleuren nicht genehm war, sondern weil die Beinkleider aus Stoff waren und nicht aus dem vorgeschriebenen Ledermaterial.

Einer hätte ohnehin nicht die Schranke passieren können. Der Kupplungszug seines Krads mochte die Strapazen nicht mitmachen und verabschiedete sich per Riss. Noch hielt die sonnige Sonntagsstimmung, doch schlichen sich langsam erste Anzeichen von Galgenhumor dazu. Fakt war: Das betagte Schätzchen musste in die nächste Werkstatt geschleppt werden, der Fahrer auf dem Sozius Platz nehmen. Über die Rückfahrt braucht man nicht viele Wort zu verlieren, sie verlief - abgesehen von einigen gedämpften Flüchen unter einem ganz bestimmten Helm - abermals ohne Zwischenfälle.

Die stellten sich zwei Tage später in, als sich der Gebeutelte vom Bruder im Auto zur Werkstatt chauffieren ließ, um seinen fahrbaren Untersatz abzuholen. Tatsächlich lief der "Fast-schon-Oltimer" bis Koblenz ohne Murren. Dann allerdings begann der Motor zu zuckeln, und ein Zylinder nahm seinen Hut. Im Schneckentempo und mit hochrotem Kopf erreichte der Endvierziger zwar schließlich sein Ziel, doch dort landete das böse, böse Zweirad unmittelbar im hintersten Winkel der Garage: "Dich reparier' ich nie wieder", verkündete der Besitzer. Sprachs und überraschte seine verblüffte Familie kurz darauf mit einem neuen Gebrauchten.

Bleibt noch nachzutragen, dass eine neuerliche Tour zum Nürburgring in absehbarer Zeit nicht ansteht, zumal die Gültigkeit des Gutscheins inzwischen erloschen ist. doch sollte man sich an James Bond halten und niemals nie sagen: Schon ein simples Geburtstagsgeschenk im Umschlag könnte alles wieder ins rollen bringen.

Quelle: Siegener Zeitung, 07.10.2003