Der glühende Vulkan-Gully 

Dass es im Inneren unserer Erdkugel heftig brodelt, ist bekannt. Davon zeugen nicht zu letzt die Vulkane, aus denen sich bisweilen glühende Magma-Massen den Weg nach draußen bahnen - mit mehr oder weniger brisanten Folgen. Nicht in den Rahmen der feuerspeienden Berge fallen Gullys, jene gerippten Regenwasser-Einläufe. Um so ungewöhnlicher, wenn aus einem solchen, von Menschenhand erschaffenen Schacht plötzlich Flammen empor schießen.

Genau das geschah am Sonntagmittag in Müsen. Dort hatte die Freiwillige Feuerwehr soeben ihre turnusmäßige Übungseinheit absolviert und war schwitzend zum Gerätehaus zurückgekehrt. Der Löschzugführer, dessen Amtszeit wegen Erreichens der Altersgrenze noch zwei Winter dauert, hatte gerade seinen dunkelblauen Uniformrock aufgeknüpft und sich auf einer harten Holzbank niedergelassen, als die in der Haus-meisterwohnung residierende Schwiegertochter die Treppe hinabgestürzt kam.

Mit dem Ruf, sie habe einen Brand zu löschen, drückte sie dem Verduzten den kleinen Enkel in die Hand. Alsdann soll sich die Helberhäuserin mit Wittgensteiner Blut zwei Eimerchen aus dem Sandkasten geschnappt und eilig mit Wasser gefüllt haben, um damit auf die andere Seite des Gerätehauses zu rennen.

Tatsächlich "kokelte" es im dortigen Gully, nachdem eine Zigarettenkippe das "Magma" in Form staubtrockenes Laubes entzündet hatte. Die Feuerwehrleute hasteten nach einer Überraschungsphase ebenfalls zum Brandherd, besahen sich das Schauspiel, erkannten, dass Sandkasten-Eimerchen nicht unbedingt das geeignete Löschmittel waren und gaben der Schlauch-Variante den Vorzug. Die entsprechenden Befehle erteilte der Einsatzleiter mit dem Enkel auf dem Arm. Sekunden später war alles vorbei und der Gully so nass wie die Lachtränen in den Augen der Floriansjünger.

Quelle: Siegener Zeitung, 02.07.2003