Der Mondschein-Bauer 

Manche Dinge können sich bisweilen auf gar wundersame Weise vermehren - oder vermindern. Geld zum Beispiel. Zwei weltberühmte Enten können da ein Lied von singen: Dagobert Duck, Taler-Milliardär aus Entenhausen, und sein chronisch "blanker" Neffe Donald, dem - wenn er denn mal "flüssig" ist - sofort der letzte Kreuzer wieder aus dem Matrosenhemd gezogen wird.

Im letzten Hemd - im Nachthemd nämlich - stand unlängst auch eine Müsener Familie an der Haustür und staunte Bauklötze. Was war passiert? Der naturverbundene Generationenverbund hatte sich entschlossen, ein Feld mit Sonnenblumen anzulegen und in einem Landwirt aus dem Raum Kreuztal einen kompetenten Ansprechpartner für die Umsetzung dieses Ansinnen gefunden.

Leider geriet dem Experten am Tag der Aussaat der Zeitplan ein wenig aus den Fugen. Er komme etwas später, ließ er die Familie per Telefon wissen. Die wartete und wartete, aber nichts passierte. Nach den "Tagesthemen" schlüpfte Papa und Mama schließlich ins Nachtgewand, der- weil der Filius noch in Vereinsangelegenheiten unterwegs war.

Kurz vor der Geisterstunde rissen mysteriöse Geräusche die Schlummernden aus den Daunen. Sekunden später klingelte es an der Haustür: Gestatten, Mondschein-Bauer, es kann losgehen. Und wie es losging. Im Licht des Erdtrabanten und diverser Lampen wurden die Sonnenblumen geschwind ins Erdreich versenkt. Als der Sohnemann, sich verwundert die Augen reibend, heimkehrte, war das Werk schon fast vollbracht. Und während sich die Feldherren nach der Schockpflanzung erst mal einen Cognac genehmigten, tuckerte der Sämann bereits wieder gemächlich von dannen.

Quelle: Siegener Zeitung, 19.05.2005