Fußball und Wahl: unvereinbar 

Es war förmlich zu spüren, der ansonsten besonnenen Sozialdemokration Inge Becker platzte gestern in der Hilchenbacher Ratssitzung beinahe der Kragen. Mit gesetzten Worten schilderte sie ein besonderes Ärgernis: statt in der Grundschule Müsen - dort wird heftig um- und angebaut - musste ein teil der Bürgerschaft am Sonntag im Sportheim des FC Hilchenbach am Dahlbrucher Sportplatz die Stimmen für die Bundestagswahl abgeben. Statt in der guten Stube des Klubs war der Wahlraum jedoch in einem Nebenzimmer untergebracht. Inge Becker: "Die drei Wahlhelfer saßen auf engstem Raum und konnten sich gegenseitig wärmen. Das Wahllokal war einfach unwürdig. Wie konnte das geschehen?"

Es habe offenbar "keine Absprache mit dem FC gegeben", musste Stadtrat Udo Hoffmann gestehen. Bei der KDZ im im Kreishaus sei "das so nicht angekommen". Ursprünglich sei dieser keine Raum nicht als Wahllokal vorgesehen gewesen, wohl eher der eigentliche Klubraum. Kurzfristig habe man umdisponieren müssen, so Hoffmann.

Aber warum? Der FC hatte laut Hoffmann "starken Meisterschaftsbetrieb". Und das war im Kreishaus bei der Planung der Wahllokale vor etlichen Monaten anscheinend nicht bekannt gewesen. Wie stark das Fußballgeschehen am Sonntag tatsächlich war, konnten die SZ-Leser am Montag bereits nachvollziehen. Die Hilchenbacher "Erste" trennte sich vom FC Laasphe 2:2, das FC-Reserveteam schlug Sportfr. Edertal 3:1. Nicht nur die acht Jubelarien bei den Toren dürften die wählende Bürgerschaft und die Wahlhelfer tangiert haben, zwei Platzverweise sorgten obendrauf für Gefühlswallungen und entsprechende Lautstärke. Ob allerdings der eine oder andere Wähler ob der Irritationen das/die Kreuzchen an der falschen Stelle gemacht hat, ist leider nicht überliefert.

Quelle: Siegener Zeitung, 26.09.2002