Operation Fischernetz oder: Die "Poeler Methode"

Seeleute sind bekanntlich mit allen Wassern gewaschen. Auch dass sie in allen Lebenslagen füreinander einstehen ("Eine Hand für mich, die andere für das Schiff"), ist nicht neu. Daran erinnerte sich jetzt ein Müsener, der die schwierige Aufgabe hatte, für ein bevorstehendes "Hafenfest" ein Fischernetz zu besorgen. Also rief er seinen Seemannskameraden H. B. in Siegen an und schilderte ihm das Problem. H. B. wusste Rat. Er verbringe die nächsten Tage sowieso urlaubsmäßig an die Küste und wolle sich dort umsehen, versprach er.

Ganz so leicht verlief die Suche nach dem Fischernetz allerdings nicht, da H. B. seine Gattin nicht in die zu lösende Aufgabe eingeweiht hatte. Sie wunderte sich zunehmend, dass ihr Mann mit immer neuen Argumenten bei den Tagestouren so vehement und zielstrebig die an den Kaianlagen der Hafenstädte liegenden Fischkutter ansteuerte und deren Schönheit pries. Aber weder in Wismar noch in Warnemünde führte die Operation Fischernetz` zum Erfolg.

Auf der Ostseeinsel Poel klappte es endlich. Während die Gattin auf einer Bank bei der Fütterung der Möwen zuschaute, wurde, H. B. mit einem soeben vorn Fisch fang zurückkehrenden Bilderbuchfischer (groß, hager, weiße Mütze, Vollbart und Pfeife) handelseinig. Nun galt es, das Netz im Kofferraum zu verstauen, denn ganz unbemerkt war der argwöhnisch gewordenen Ehefrau der Handel nicht geblieben. Beim Öffnen des Kofferraums am Ferienhaus ließ sich die begonnene Aktion dann nicht mehr verheimlichen. " Stinkt das?" "Was ist das?" " Wofür brauchen wir das?", lauteten die Fragen, die es zu beantworten galt.

Die Klippe wurde umschifft. H. B. schleppte das Netz (15 kg, komplett mit Schwimmern und Muschelresten) in die Gartenlaube. Ehrensache, dass er ab sofort die notwendigen Botengänge dorthin übernahm, denn: "Trotz peinlichster Sauberkeit war ein leichter Fischgeruch nicht zu vermeiden." Fein verpackt ( Müllsack Marke Seesack, doppelter Webleinsteg) landete das Fischernetz am Abreisetag im hintersten Winkel des Kofferraums. Wundersam nur, dass der Platz für die Koffer nicht mehr so ganz reichte; aber da war ja noch die Rückbank ...

Und so landete ein Fischernetz von der Insel Poel wohlbehalten im nördlichen Siegerland , wo ein listiges Dorf "öwerm Wasser" nun nur noch die Handhabung mit diesem für die Region untypischen Handwerksgerät lernen muss. Unbestätigt blieb in diesem Zusammenhang das Gerücht, dass man in der kommenden Urlaubssaison einen weiteren Kutter nach der "Poeler Methode" erwerben und ins Rothaargebirge bringen lassen will.

Quelle: Siegener Zeitung, 22.09.2002

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