vom 23. bis 25. Mai 2003

Muiden - Ijsselmeer

Logbuch des Schiffsjungen:

Müsen / Muiden, 23.05.03
Punkt kurz nach 1 setzte sich der Neoplan-N-316-Ü-Transliner vom Müsener Zentrum aus in Bewegung. An Bord 23 durstige Männer (19 Matrosen, ein Rentner, zwei blinde Passagiere und der Busfahrer), die für ein Wochenende die Freiheit des "Unter-Sich-Seins" genießen wollten. Noch im Ort löschten einige ganz ungeduldige den ersten Durst, die anderen beherrschten sich wenigstens bis zum Ortsschild. Die "Müllmänner" spielten Skat, Gerhard machte es sich in der Punika-Oase bequem, Autobahnfux Werner passte auf, dass wir auch stets auf der schnellsten Spur fuhren, Red-Nose-Rudolph schaute immer wieder mal nach hinten, um zu sehen, ob wir seine Frau auch wirklich abgehängt hatten, meine Wenigkeit sorgte für pünktliche Pausen und der Boldu, na der hat sich trotzdem ganz köstlich amüsiert.
Um 18:45 Uhr kamen wir in Muiden an. Dank eifriger Teamarbeit hatten wir schon nach kurzer Zeit das Gepäck (und sogar das ganze Bier) an Bord der Moeke Zorn verstaut. Schiffshund Janice begrüßte uns. Freundlich hieß uns auch Frau Kapitän Jaque willkommen. Jaque und Matrose Jan machten uns mit den Regeln an Bord vertraut (gähn), dann widmeten wir unsere volle Aufmerksamkeit einem fulminanten Abendessen.
Danach ging es an die Erkundung des kleinen Hafenstädtchens. OK, wir suchten und fanden einfach eine nette Kneipe, wo man uns bis tief in die Nacht mit Bier versorgte und man mit den Einheimischen in Kontakt treten konnte. Wer jetzt einen detaillierten Bericht über meinen Tabledance in der örtlichen Disco erwartet, muss ich enttäuschen - ich weiß davon fast nix mehr... Auf dem Schiff ging es für einige bis in die Morgenstunden bei heimischem Bier weiter - das schmeckte eh viel besser! Stephan machte trotz großer Schmerzen ("mein Arm, Mensch, mein Arm") für uns Musik und Michael erzählte uns einen Schwank aus seiner Jugend (hä, multipler was?)

Muiden/Amsterdam, 24.05.03
Ab 8 Uhr gab's Frühstück. Die "Müllmänner" hatten die Organisation in der Küche voll im Griff und versorgten uns geradezu liebevoll. Dieters Kaffee vertrieb auch das letzte bisschen Müdigkeit. Nach der Schiffserkundung und einer kleinen Knotenkunde unter Leitung von Jan verwöhnte uns Stephan mit stilgerechter Musik aus seiner "Weltmeister" Quetschkommode - und das trotz großer Schmerzen. Der ausführliche Bericht über die Schmerzen in seinem Arm, gespickt mit medizinischem Fachvokabular, wird einigen wohl noch lange in Erinnerung bleiben.
Um 10 Uhr wurde abgelegt. Kaum aus dem Hafen raus, hissten wir die Segel. Das nützte aber nicht viel, denn es herrschte gähnende Windstille. Also musste der Dieselmotor seine Arbeit tun.
Auch im weiteren Verlauf des Tages kümmerte sich Chef-Verpfleger Dieter (süße Schürze) fürsorglich um unser leibliches wohl und war immer gerne zum Tee- und Kaffeekochen bereit. Da dank Flaute nicht viel Arbeit mit den Segeln anfiel, packte Jochen die Gitarre raus und die meisten stimmten in den Gesang mit ein. Unsere Küchen-Crew machte sich an die Vorbereitungen des Mittagessens. Um halb 3 legten wir im Amsterdamer Hafen an und ein paar Vergnügungshungrige schmiedeten schon Pläne für den abendlichen Landgang.
Die einstündige Grachtenrundfahrt bildete den informativen Teil unserer "Bildungsreise". Jetzt kennen wir Prinsen-, Kaizer- und Herrengracht, wissen dass der Hauptbahnhof auf 8600 Holzpfählen errichtet wurde und dass der Kirchturm 186 Meter hoch ist und als Spitze die Krone eines österreichischen Kaisers trägt. Ein Glück, dieses Wissen kann uns keiner mehr nehmen! 
Nach dem Abendessen stürzten sich die meisten dann ins Amsterdamer Nachtleben, nur unsere "Müllmänner" zogen es vor, eine kleine Skat-Session zu veranstalten. Erst einmal zischten wir uns in einer gemütlichen, videoüberwachten Kneipe das eine oder andere Bierchen, dann splittete sich unser Grüppchen auf. Denn einige, ganz besonders Christian, zog irgendetwas - wahrscheinlich die Angst vor Skorbut - an unzähligen Kneipen vorbei in Richtung Obstviertel, präzise: zur Banana-Bar. So führte Expeditionsleiter Stephan seine Kinder mitten ins Vergnügungszentrum. Auch die Übrigen zogen nach einiger Zeit auf der Suche nach einer anderen Kneipe in die gleiche Richtung. Doch man kam nur langsam voran, da man ständig bemüht war Rudolphs rote Nase aus den Coffee-Shops rauszuhalten. Da die Getränkepreise exponentiell anstiegen je rötlicher die Beleuchtung war, suchten wir uns ein Plätzchen, wo man das Bier gerade noch bezahlen konnte, man aber auch einen guten Ausblick auf die komischen Vögel und süßen Miezen hatte, die ins Spaßviertel spazierten. Überhaupt waren alle Leute, an denen man auf der Straße vorbei lief, sehr unterhaltsam: Entweder zum auslachen, zum fürchten oder zum niederknien...
Um 23 Uhr kehrten die meisten wieder aufs Schiff zurück (so lange man noch ohne Polizeischutz durch den Bahnhof gehen konnte), um noch ein paar Bierchen platt zu machen. Um halb 4 weckten die Bananen-Legionäre mit der Schiffsglocke das ganze Schiff. Aber als kleine Wiedergutmachung füllte Stephan den leeren Kühlschrank wieder auf - danke! Wohl keiner bekam auf dieser Fahrt so wenig Schlaf wie unser Rentner, da nachts alle da durchliefen und Bier tranken, wo er schlafen musste.

Amsterdam/Muiden/Müsen, 25.05.03
Beim Frühstück um 8 Uhr sah man den Nachtschwärmern die Strapazen ziemlich deutlich an. Ganz allmählich kamen auch die ersten Details der vorabendlichen Tequila-Tour ans Tageslicht. Was aber genau passierte, werden die meisten wohl nie erfahren. Um halb 10 legten wir bei schlechtem Wetter - aber reichlich Wind - ab. Stephan sorgte mit seinem Akkordeon für die musikalische Untermahlung. Dann konnten wir endlich die Segel setzen. 
Mit dem ersten Wendemanöver kam dann auch die Sonne mal zum Vorschein. Nach dem Mittagessen gab Dirk sein Fachwissen im Bereich Knotenkunde an die anderen weiter. Um 17 Uhr liefen wir im Muidener Hafen ein. Nachdem der Bus dann endlich beladen und wir konnten losfahren. Auch wenn der eine oder andere etwas erschöpft war, gab es noch immer ein paar durstige Kehlen. Offensichtlich gewöhnt sich der Körper nach 3 Tagen Dauerbelastung an den massiven Flüssigkeitsüberschuss. Um 10 packte Jochen noch mal die Gitarre aus und Michael stimmte ein lustiges Lied nach dem anderen an. Um halb 12 kam der Bus dann in Müsen an und die etwas erschöpften Seemänner freuten sich auf ein richtiges Bett.

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