Unter dem Motto „Müsener für Müsen“ haben am 24.03.2011 die beiden Müsener UWG-Stadtverordneten Ulrich Bensberg und Andreas Bolduan in das alte Rathaus (heutige Feuerwehrgerätehaus) eingeladen und ca. 70 – 80 Interessierte waren dieser Einladung gefolgt.


Sichtbare Tradition

Nach kurzer Ansprache durch den „Hausherren“, Löschzugführer Robin Juksaar wurden unter dem Motto „Sichtbare Tradition“ einige Bilder gezeigt, welche die noch heute sichtbare bergbauliche Tradition unseres Dorfes darstellten. Darunter waren viele Dinge, die es zu bewahren gilt und bei denen auch schon Handlungsbedarf besteht. Zum Beispiel muss das Mundloch an der Hauptstraße gepflegt werden, oder es stellt sich auch die Frage, was mit dem leerstehenden Gebäude an der Stollenhalde, besser bekannt als Menage, passieren soll. Gerade diese Gebäude ist eines der wenigen in Müsen, die noch vom Bergbau zeugen, der den Ort weit über die Grenzen des Siegerlandes bekannt gemacht hat. Die Stadt versucht die Menage zu verkaufen, bisher leider ohne Erfolg.
Lebendiges Müsen
Von dieser Tradition ging es über zum Thema „Lebendiges Müsen“. Vorgestellt wurden Institutionen, die es zu bewahren gilt. Da wäre der Kindergarten, der seit ca. 1880 existiert und damit einer der ältesten Kindergärten des Siegerlandes ist. Oder die Stahlberg-Grundschule, die zurzeit dreizügig ist, was aber wohl in naher Zukunft nicht so bleiben wird. Weiter wurden genannt die Evangelische Gemeinschaft (seit 1840), die Kirche in der Dorfmitte (1775), das Freibad (1965) und auch das Bürgerhaus, das 1993 seine Pforten öffnet. All diese Institutionen leben von dem Engagement der Bürger und damit diese so bleibt, muss in die Zukunft geschaut werden.

Demografische Entwicklung
Und hier macht der demografische Wandel auch vor Müsen nicht halt. Der Diplom-Psychologe Frank Luschei zeigt die Auswirkung für Hilchenbach, aber auch für die einzelnen Ortsteile auf. Anhand vieler Zahlen verdeutlichte er, dass die Bevölkerung Hilchenbachs in Zukunft schrumpfen wird. Besonders ging er dabei auf die sinkenden Geburtenzahlen ein und verdeutlichte, dass die heutigen Schulkapazitäten (8 Anfangsklassen im Schuljahr 2009/2010) in Zukunft nicht mehr benötigt werden. Im Schuljahr 2013/2014 schätzen die Statistiker einen Bedarf von nur noch 3-4 Anfangsklassen. Da stellt sich dann sofort die Frage nach dem Fortbestand des Kindergartens und besonders der Grundschule. Ein ernstes Thema für die Zukunft, welches im Moment noch überhaupt nicht auf politischer Ebene diskutiert wird. Aber auch ein ernstes Thema kann ein Spaß vertragen. Zwischenruf eines Großvaters: „Wir können leider nicht mehr helfen!“ Ergänzung seines Sohnes: „Ich hatte mir aber schon immer ein Schwesterchen gewünscht!“
Im Zuge der Veränderungen der Bevölkerungsstruktur wurde auch auf das Angebot des Bürgerbusses hingewiesen, das sich gerade an ältere Menschen wendet. Da die Müsener das Angebot nicht genutzt hatten, war Müsen aus dem Fahrplan gestrichen worden. Seit dem 2010 wird Müsen wieder angefahren, leider bisher ohne große Resonanz.

Informationen und Projekte

Damit kam man zu dem Punkt „Informationen und Projekte“. Ulrich Bensberg informierte über einen Vorschlag zur Änderung der Gestaltung des Friedhofes. Seitens der UWG wurde ein Vorschlag erarbeitet, der einen barrierefreien Zugang zu den Gräbern und eine individuellere Nutzung und Gestaltung der Gräber ermöglichen soll.
Ein weiterer Punkt waren die Änderungen bei dem notärztliche Dienst. Ab Februar 2011 gibt es nur noch zwei Anlaufstellen bei ärztlichen Notfällen am Wochenende, eine im Marienkrankenhaus in Siegen und eine in Bad Berleburg. Da die Praxis in Siegen für das Stadtgebiet Siegen zuständig ist, werden Müsener Bürger von der zentralen Notrufannahme in Duisburg an die Praxis in Bad Berleburg verwiesen. Anwesende berichteten von untragbaren Zuständen sowohl für die Patienten, wie auch für die diensthabenden Ärzte und Helfer.
Es hat eine Unterschriftenaktion gegeben, in der eine Änderung dieser Sachlage und die Einrichtung eine Notfallpraxis im Kredenbacher Krankenhaus fordert. Andreas Bolduan erklärte, dass diese Aktion mit 2000 Unterschriften sehr erfolgreich war und man hoffe, dass jetzt auch die zuständige Kassenärztliche Vereinigung ein Einsehen hat. Allerdings hat diese schon klargestellt, dass Änderungen frühestens 2012 kommen können. Ein Zeitungsartikel am 25. März in der Siegener Zeitung verdeutlichte diese erneut.
Ein weiteres Thema war die Dichtigkeitsprüfung privater Abwasserleitungen, die alle Hauseigentümer bis 2015 durchführen müssen. Hier wurde kurz die Rechtslage dargestellt und darauf hingewiesen, dass jetzt keine übertrieben Hektik ausbrechen muss. Da noch einige Unklarheiten bestehen, sollte erstmal abgewartet werden und keinesfalls überstürzt und schon gar nicht per sogenannten „Haustürgeschäften“ eine solche Dichtigkeitsprüfung in Auftrag gegeben werden. Man soll sich schon mal den einen oder anderen Euro auf Seite legen, da die Prüfungen wohl gemacht werden müssen, aber im Moment besteht kein akuter Handlungsbedarf.
Ulrich Bensberg verkündete weiterhin, dass ab dem 31.03. wieder eine Poststelle in Müsen eröffnen wird. Leider nicht zentral im Ort, sondern in der Hauptstraße 17, dem ehemaligen Geschäft vom „Funke Kurt“. Da die Post in Müsen unter den Einzelhändlern keinen neuen Betreiber für eine Filiale gefunden hat, wird sie die Poststelle mit eigenen Leuten besetzen. Zu den Öffnungszeiten konnte Ulrich Bensberg leider noch keine Angabe machen.
Schon lange überfällig, aber wohl endlich in diesem Jahr soll die Stützmauer am Feuerwehrgerätehaus erneuert werden. Und die Arbeiten an der Merklinghäuserbrücke sollen in diesen Tagen abgeschlossen werden. Dann kam ein Thema auf den Tisch, dass schon seit vielen Jahren umher irrt: ein neuer Bolzplatz. Ulrich Bensberg und Andreas Bolduan stellten Ihre Idee vor, die eher unter dem Begriff eines Bürgerbegegnungsparks gesehen werden sollte. Als perfekten Platz dafür sahen dafür die beiden und auch viele Anwesende die Kirchwiesen unterhalb des Kindergartens. Die Wiesen und der vorhandene Feuerlöschteich könnten erweitert um Sitzgelegenheiten, Spielgeräte für Kleinen und vielleicht einen Grillstelle zu einem Ort werden, an dem sich Jung und Alt treffen kann. Natürlich wurden auch Bedenken wegen der Lärmbelästigung laut und es wurde angeregt, ein direktes Gespräch mit den Nachbarn zu suchen, um diese von Anfang an bei den Planungen einzubeziehen.
Ralf Grafe berichtete von einem interessanten Ansatz um Alt und Jung zusammen zu führen. In der Siegener Zeitung hat er von einem Projekt in Siegen gelesen, in dem Jugendliche älteren Mitmenschen z.B. bei Arbeiten im Garten oder täglichen Besorgungen behilf sind. Dirk Flack wies darauf hin, dass es so was in Hilchenbach auch gibt, die Vermittlung erfolgt durch Frau Inge Grebe von der Stadt Hilchenbach.
Zum Schluss wurde noch drauf hingewiesen, dass bei der Terminabsprache der Ortsvereine die diesjährige Seniorenfeier der Ortsvereine abgesagt wurde. Dies wurde von vielen „Betroffenen“ bedauert und zeigt, dass auch auf diesem sonst so gelobten Bereich des „Müsener Zusammenhalts“ einiges im Argen liegt. Wenn über ein lebenswertes Dorf gesprochen wird, dann müssen auch solche Missstände angesprochen werden.
Auch angeregt wurde mal wieder ein Dorffest durchzuführen. Ulrich Bensberg wies auf das 700 jährige Jubiläum der Grube Stahlberg im Jahr 2013 hin. Dies wäre doch ein perfekter Anlass für ein Vereinsübergreifendes Fest. Leider war kein Vertreter des Altenberg und Stahlberg-Vereins anwesend.
Zum Schluss war man sich einig, dass diese Veranstaltung keine einmalige Aktion bleiben soll und es wurde eine Art Stammtisch angeregt, bei dem sich interessierte Bürger regelmäßig über die anstehenden Themen und Ideen austauschen können. Als Termin für den ersten Stammtisch dieser Art wurde der 6. Mai vorgeschlagen. Sobald dieser Termin bestätigt ist, wird er auch hier auf Muesen.de mit weiteren Informationen veröffentlicht werden.

Mein persönliches Fazit dieser Veranstaltung

Sehr positiv überrascht war ich über die große Teilnehmerzahl bei dieser Veranstaltung. Damit hatte ich nicht wirklich gerechnet. Es waren zwar hauptsächlich die „üblichen Verdächtigen“ da, also die Müsener, die auch schon durch ihren Einsatz in den Vereinen bekannt sind, aber erfreulicher weise waren auch einige neue Gesichter zu sehen.
Vor der Veranstaltung war mir nicht ganz klar, was mich erwartet und was der Abend so bringen wird. Geboten wurden viele Denkanstöße, aber leider wenig Konkretes. Das ist aber auch nicht verwunderlich, da viele angesprochene Themen bei den meisten Müsener wohl bisher nicht präsent waren. So war es nicht zu erwarten, dass in dieser Runde z.B. ein Konzept für die Nutzung der Menage entsteht oder der Bürgerbegegnungspark konkretere Formen annimmt. Der angeregte Stammtisch ist zur Vertiefung und Konkretisierung.
Das die beiden Ausrichter von der UWG waren, wurde meiner Ansicht nach nur bei der Frage des ärztlichen Notdienstes deutlich, da Andreas Bolduan mehrmals auf die Unterschriftenaktion der UWG hinwies. Ansonsten fand ich persönlich den Abend angenehm „Partei-frei“.
Einen sehr wahren Satz hat meiner Ansicht nach Sarah Bensberg zum Ende der Veranstaltung gesagt. Sie meinte sinngemäß, dass es in Müsen sehr viele engagiert Menschen gibt und es schade ist, dass die Meinungsverschiedenheit unter den Vereinen zu Blockaden wie der Absage der Seniorenfeier führen. Sie rief Alle dazu auf, ohne Vorbehalte gemeinsam für ein lebenswertes Müsen mitzumachen.
Einen Dank möchte ich an die Feuerwehrleute richten, die an diesem Abend die Bewirtung übernommen haben.

Jens Weigand, 27.05.2011