In Müsen grüßt man mit „Glückauf“


Montanhistorischer Workshop in Müsen - 700 Jahre Stahlberg

Müsen. „Guten Tag“. Oder sogar nur „Hallo“? In Müsen geht das in diesen Tagen gar nicht. „Glückauf“, grüßt man hier. Die Bergleute haben das Bergmannsdorf zurückerobert. Die Grube Stahlberg wird 700 Jahre alt; der „Stenberge zu Muzen“ wurde am 4. Mai 1313 zum ersten Mal erwähnt.

„Ein herzliches Glückauf“ ruft Martin Krause seinen Gästen zu. Die Gruppe im Stahlbergmuseum ist mit Kameras ausgerüstet, viele tragen Stiefel, Helme und Overalls. Als ob es gleich in den Stollen ginge. Tut es auch. Nur noch ein bisschen Bergbaugeschichte, ein Blick auf die Schätze, die vom Müsener Bergbau übrig geblieben sind

Gruben öffnen sich für einen Tag

Vorträge über den Siegerländer Bergbau, den Altenberg und den Oberbergmeister Jung haben die Besucher schon am Vormittag gehört. Insgesamt 114 Teilnehmer sind beim 16. internationalen Bergbau- und Montanhistorik-Workshop dabei, den der Altenberg- und Stahlbergverein von Dienstag bis Samstag ausrichtet — übrigens der erste in Westfalen. „Ich war schon in Südtirol, in Tschechien und im Erzgebirge“, sagt einer von ihnen. Und meint damit natürlich nicht die Landschaft, sondern die Schächte und Stollen unter Tage. Sie kommen aus dem Harz und dem Schwarzwald, aus Graubünden und dem Salzburger Land. Von überall halt, wo Menschen von ihren Bergen leb(t)en.

Gunnar Rübschläger wird seine Gruppe gleich in den Tiefen Müsener Stollen führen. Erst die 400 Meter durchs Besucherbergwerk, dann weitere 600 Meter bis an den neuen Schacht heran. Ein Weg, der eigens für den Workshop freigegeben wird. Bergamt und Barbara Rohstoffbetriebe haben die ganzen Sonderbetriebspläne für die verschiedenen Gruben genehmigt, die Ziele von Exkursionen sind. Auch für Rübschläger ist so ein Gang etwas Besonderes: „Das Tüpfelchen auf dem i“ der üblichen Vereinsarbeit.

660 Meter tief ist der Neue Stahlberger Schacht. „Wenn man da einen Stein hineinwirft, bekommt man eine Ahnung von den Dimensionen dieses Bergwerks“, schwärmt Rübschlägers Vereinskollege Norbert Stötzel. „Man sieht die Bedingungen, unter denen unsere Vorhaben gelebt und gearbeitet haben.“ Und man sieht die — auch heute wieder vielfach fotografierte – bizarre Schönheit der Welt unter Tage. Es sind junge Forscher, die sich mit auf den Weg machen, aber auch über 80-Jährige, die einst im Bergbau ihr Brot verdient haben. Die Tür des Stollens schließt sich. Zweieinhalb Stunden wird die Gruppe unterwegs sein.

Ein Revier fast bis an den Rhein

Im Bürgerhaus wartet Dr. Rolf Müller auf die Gäste des Eröffnungsempfangs, der diesen ersten Workshop-Tag abschließt. Ein Jahr lang haben sich die Müsener vorbereitet, berichtet der Vorsitzende des Altenberg- und Stahlbergvereins. Denn der Siegerland-Wieder Erzdistrikt ist, wie der Name schon sagt, groß. Siderit ist das Erz, das den Bezirk bis hinunter nach Neuwied verbindet. In Willroth, an der Grenze zum Landkreis Neuwied, steht das Fördergerüst der Grube Georg. Das letzte im ganzen Revier. „Deswegen fahren wir auch da hin.“

Der Saal füllt sich. Mancher Teilnehmer hat die Berguniform angelegt, als gleich zwei Bürgermeister Grußworte sprechen. Hans-Peter Hasenstab würdigt Müsen als den „Motor der wirtschaftlichen Entwicklung des oberen Siegerlandes“. „Ich beneide Sie, dass Sie so tief in die Geschichte unserer beiden Städte eintauchen können“, sagt Walter Kiß. Das mit den beiden „eng verbundenen Städten“ könnte er wörtlich meinen. Durch den Kronprinz-Friedrich-Wilhelm-Erbstolln würde er schon nach vier Kilometern zurück in Kreuztal sein. Wenn nur das viele Wasser nicht wäre. Glückauf.

Quelle: derwesten.de, 29.05.2013

Joomla templates by a4joomla