Nach 27 Jahren naht der Ruhestand

Erndtebrück. Im Gespräch mit der SZ erzählt Weiskirch, wieso er Lehrer und nicht katholischer Priester wurde und wie sich Schule in den 27 Jahren verändert hat.

bw - So langsam kommt im Bauch ein Grummeln auf, verrät Bernd Weiskirch. Er spricht von Wehmut, die ihn erfasst – jetzt, da er unmittelbar vor seinem Abschied von seiner Realschule Erndtebrück steht. Fast 27 Jahre lang hat der Siegerländer die Einrichtung und ihre Menschen – Lehrer wie Schüler – maßgeblich geprägt. Dabei sei es keine Berufung für ihn gewesen, Lehrer zu werden, erzählt er im Gespräch mit der SZ: „Ich wurde Lehrer, weil ich nicht katholischer Priester werden wollte.“ Vier Jahre lang besuchte der gebürtige Burbacher das erzbischöfliche Knabenseminar, bis er in der späten Jugend „in eine Gedankenkrise“, wie er es nennt, geriet. Er ging zur Bundeswehr, aber was sollte dann kommen?

Angebot aus Erndtebrück kam wie gerufen

Die Antwort: Weiskirch schrieb sich an der Uni in Siegen ein, studierte dort Deutsch und Sport auf Lehramt. „Ich bin in diesen Beruf eher hineingewachsen“, erinnert sich der 63-Jährige. Einmal dafür entschieden, lebte Bernd Weiskirch das Pädagogen-Dasein aber mit Leib und Seele. Als sehr prägend empfindet er die Zeit an der Abendrealschule Siegen, wohin Weiskirch nach dem Referendariat an der Burbacher Hauptschule wechselt. Den Unterricht auf Augenhöhe hat er mit an die Realschule in Erndtebrück genommen, wo Weiskirch im Jahre 1988 – nach einem zweijährigen Zwischenstopp als Konrektor an der Siegener Realschule am Oberen Schloss – als Rektor schließlich Adolf Laues beerbt. Für ihn sei frühzeitig klar gewesen, erklärt Weiskirch, dass er Verantwortung übernehmen wolle. Da kam das Angebot aus Erndtebrück also für ihn wie gerufen.

Großen Wert legt der Rektor auf Manieren

„Ich bin hier ins kalte Wasser gesprungen“, sagt Weiskirch zurückblickend. Ohne Konrektor und als Zweitjüngster im Kollegium hätte die Sache auch scheitern können. Widerstände habe es aber nicht gegeben: „Ich fand mich gut aufgenommen und habe vom ersten Tag an Solidarität gepredigt.“ Großen Wert legt der Rektor auf gute Manieren, noch immer steht für Zehntklässler der Schule ein Kurs für Stil und Etikette auf dem Unterrichtsplan. „Es geht da nicht darum, ein Schleimerverhalten anzuerziehen“, hebt der 63-Jährige hervor, „sondern Umgangsformen beizubringen, die weiter Gültigkeit haben.“ Weiskirch vertritt konservative Werte, ist gleichzeitig aber esoterisch angehaucht, ohne die Realität zu verlieren, wie er es ausdrückt. Harmonie sei ihm wichtig. „Wir leben seit 27 Jahren das Prinzip der liebevollen Konsequenz in der Erziehung: Zärtlichkeiten mit Worten und Taten, aber dann beißen, wenn es notwendig ist.“

Quelle: Siegener Zeitung, 16.06.2015

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