Geschichtliches
Der Bärenumzug wird seit ca. 1880 durchgeführt. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er aber seitens der Polizei verboten, da beim großen Brand von Müsen 1893 ein Müsener im Bärenfell aus ungeklärter Ursache erstochen wurde. 1920 wurde der alte Brauch von den legendären "Neuntötern" wieder ins Leben gerufen, fand aber in den Jahren des nationalsozialistischen Regime von 1933-1945 und in den ersten zwei Nachkriegsjahren nicht statt.

Entstanden ist der Brauch aus der Idee, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870-71 in die Region kommenden Zigeunergruppen (u.a. mit Tanzbär) nachzuspielen, da diese ab dem Jahr 1880 nicht mehr kamen. Jungessellen aus Müsen verkleideten sich daher als:

  • Bär
  • Bärenführer
  • Dirigent
  • Kassierer (Kassa)
  • Neger
  • Matrose (Schifferklavier, früher genannt Musiker)
  • Zigeunerin
  • und Teufelsgeiger

In den darauf folgenden Jahren sollten dann der Säukopp (Schutzmann) und Ende der 2000er noch der Narr, als Ersatz für den zwischenzeitlich immer mal wieder auftauchenden Clown (u.a. 1924, 1977, 1994,...), sowie der Bergmann, als Symbol für die lange Bergbautradition Müsens, aufgenommen werden.
Weitere, heute nicht mehr existente Charaktere waren: der Gitarrist (u.a 1927), der Polizist (u.a. 1959 / wurde später mit dem Säukopp verbunden) der Pirat (1979) und der Scheich (1952 & '53). Heute werden die gespielten Rollen als "Ämter" bezeichnet.

Ablauf
Der Bärenumzug startet heutzutage in den frühen Morgenstunden des 6. Dezember. Meist wird sich bei einem der Mitglieder getroffen. Bevor sich die Bären dann auf ihren Weg durch Müsen machen, wird frühstückt man gemeinsam und bereteitet sich mit kleinen Hausmittelchen auf den anstehenden Konsum alkoholhaltiger Erfrischungen vor. Erfolgversprechend dabei sind fetthaltiges Essen, Dosensardellen, Olivenöl und/oder Bulrichsalz.

Nachdem man sich nun kulinarisch vorbereitet hat, wird sich anschließend angekleidet und geschminkt und schon kann es losgehen. Im ersten Teil der Tour wird meist die Dahlbrucher Nachbargemeinde unsicher gemacht. Man zieht von Haustür zu Haustür, singt seine Lieder und bitte um eine kleine Spende für die Kassa. Angebotenen Spirituosen werden nicht abgelehnt. Dann geht es zum Mittagessen in die Müsener Dorfmitte oder bei einem der Bärenangehörigen. Nach dem Essen wird in aller Regel noch ein Moment Pause gemacht, bevor man sich auf den zweiten Teil der Reise begibt. Größere Entfernungen, die sich durch das meist weite Auseinanderligen der jeweiligen Lokalitäten ergeben, werden mit Trecker und Hänger überbrückt.

Von Mittags an wird die Bärentruppe meist von vielen Kindern begleitet. Die wollen sich mit dem Neger, der fürs „Schwarz machen“ zuständig ist, im Wettlauf messen. Die Jakobstraße ist der längste Einzelabschnitt, den die Gruppe bei einsetzender Dunkelheit und den ersten alkoholbedingten Ausfallerscheinungen, hinter sich bringt. Wieder in der Dorfmitte angekommen geht es zum Abendessen, was natürlich auch in der Regel von einem Bär ausgerichtet wird. Nach der abendlichen Stärkung geht es auf den letzten Abschnitt, der sich normalerweise im Oberdorf befindet. Da das Wetter am Nikolaus meist nicht das Beste ist, wird es auf diesem Teil der Strecke am anstrengendsten, was man aber aufgrund von entsetzendem Rausch in der Regel gar nicht mehr so mitbekommt. Mit dem erreichen des Bärenballs endet in jedem Jahr der Umzug, bei dem im Durchschnitt jährlich ca. 50 Stationen angelaufen werden.
 

Der Bärenball ist die jährliche Feier, die im Anschluss an den Umzug der Müsener Bären abgehalten wird. In den letzten Jahren wurde er im Müsener Bürgerhaus veranstaltet, in der Vergangenheit dienten aber auch schon Garagen von Mitgliedern, der Saal des Müsener Hofs oder das Müsener Freibad als Austragungsort. Der Ablauf ist jedes Jahr nahezu gleich:

Einlass ist immer ca. 18.00 Uhr. Die musikalische Unterhaltung übernimmt meist ein DJ, allerdings wurde auch schon Livemusik geboten. Gegen 21.00 Uhr trudeln dann meist die Bären ein, wobei es auch schon später geworden sein soll. Die Zigeunertruppe macht sich nach ihrer Ankunft und einem gesungenen Lied meist direkt daran alle anwesenden Personen "Schwarz zu machen". Nachdem man dies getan hat und noch ein paar Bier zusammen getrunken hat, legt die Frau meist noch einen erotischen Tanz aufs Parkett bei dem einem Hören und Sehen vergeht. Beendet wird der Tanz(bären)abend meist gegen 3.00 Uhr . Es wird sich allerdings auch erzählt, dass es gelegentlich noch später geworden ist. Der Erlös aus dem Ball geht, im Unterschied zu den gesammelten Spenden des Umzugs, an die Bärengruppe, die damit ihre Auslagen und Unkosten deckt.

Im Jahr 2009 wurde erstmalig eine sogenannte "Warm Up"-Party inszeniert, die im Unterschied zum Bärenball im Vorfeld, genauer gesagt einen Tag früher, durchgeführt wurde. Ein Ball wurde aber trotzdem noch zusätzlich veranstaltet.

 

Hier findet Ihr Bilder von Bärengruppen. Die Liste ist leider nicht vollständig. Klickt auf die Bilder um eine größere Darstellung und eine Liste der Gruppenmitglieder zu erhalten.

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1959


1948


1932


1927


1925


1924


1922


1920

   

St. Nikolaus und die Müsener Bären

von Friedrich Weber

Ein besonderer Brauch findet alljährlich am 6. Dezember in Müsen statt. Ein "Bär", dessen "Fell" aus Kartoffelsäcken hergestellt wurde, sein "Bärenführer", ein "Dirigent", ein "Neger", ein "Polizist" (nach seiner imposanten Maske "Säukopp" genannt), ein "Teufelsgeiger", ein "Kassierer", eine "Zigeunerin" und ein "Musiker" mit Schifferklavier ziehen zunächst durch Dahlbruch, dann durch Müsen und besuchen Geschäfte und öffentliche Einrichtungen. Dabei werden Ständchen gesungen, als Belohnung erhalten die Akteure Geld, das seit 25 Jahren immer für gute Zwecke gespendet wird. Wer sich nicht in Acht nimmt, bekommt von den Akteuren "Schminke" verpasst...

Die "Bären" führen ihre Entstehung selbst auf das Auftreten einer Zigeunergruppe mit Tanzbär zurück, die angeblich nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) mehrere Jahre lang nach Müsen gekommen ist. Als diese dann nach 1880 nicht mehr im Dorf erschienen sei, hätten die Dorfbewohner die Szenerie selbst nachgestellt, bis im Umfeld des großen Dorfbrandes von 1893 ein als "Bär" verkleideter Mann erstochen worden sei. Danach habe der Brauch bis etwa 1920 geruht, bis ihn die "9 Töter", eine Gruppe von Junggesellen, wieder aufleben ließen.

Auf den ersten Blick scheint es reiner Zufall zu sein, dass die "Bären" ihren Schabernack alljährlich ausgerechnet am 6. Dezember, dem Nikolaustag, treiben. Ein Zusammenhang mit dem weithin bekannten, rauschebärtigen Geschenkebringer ist da zunächst nicht erkennbar. Und doch ist der sehr eng. Da ist zunächst die Tatsache, dass im restlichen Siegerland Ähnliches nirgends nochmals existiert. Spannend wird es dann beim Blick in die Kirchengeschichte. Bereits im Mittelalter hatte Müsen eine Kapelle, wenn es auch noch kein eigenes Kirchspiel und damit keinen eigenen Pfarrer gab. Das kleine Gotteshaus war - und hier wird der Zusammenhang deutlich - dem heiligen Nikolaus geweiht. Aus anderen Regionen Deutschlands und ganz besonders aus dem alpinen Raum weiß man schon im Mittelalter von seitens der Kirche initiierten Nikolausspielen, kleinen Theaterstücken, mittels derer dem "einfachen Volk" das Leben und Wirken des Nikolaus nähergebracht werden sollte. Als Gegenspieler des Nikolaus agierten immer Teufel und andere dunkle Gestalten, die das Böse und die Sünde symbolisieren sollten. Zum besseren Verständnis: Nikolaus war im 5. Jahrhundert Bischof im Orte Myra in der heutigen Türkei. Er war - und ist - ein "vielbeschäftigter" Schutzpatron, u.a. der Kinder, was seine Rolle als vorweihnachtlicher Gabenbringer erklärt.

Zurück nach Müsen: auch hier mag, nein, muss es frühzeitig ein solches Nikolausspiel gegeben haben. Die Dorfbewohner machten das Nikolausspiel irgendwann nach. Mit der Reformation wurde zwar der Heiligenkult abgeschafft, doch das bunte Treiben ging weiter und wurde im Laufe der Jahrhunderte vom Volke nicht mehr verstanden. Durchziehende Schausteller- und Zigeunergruppen mit Bären und - aus Müsener Sicht - exotisch aussehenden Menschen inspirierten den uralten Brauch neu, man deutete die Figuren als Zigeuner mit Bär und anderen Gestalten wie z.B. "Negern". Einzig die Tatsache, dass der "Bär" an die Kette gelegt wird, weist auf den eigentlichen Ursprung hin: gemeint war eigentlich der Bär als Symbol des Bösen oder des Teufels, der vom Nikolaus gezähmt und an die Kette gelegt wird. Genau solche Konstellationen - hier mit einem Nikolaus in Bischofstracht und angekettetem "Bär" - gibt es im Rheinland bis heute. Da in der evangelischen Kirche aber Heilige abgelehnt wurden, verschwand der Nikolaus allmählich aus der Figurengruppe.
Die Müsener können auf ihren "Bärenumzug" fürwahr stolz sein und sollten die Tradition weiter pflegen!

Ein alter Müsener Brauch: Das Bärenleiten in Müsen

von Wolfgang Leyener
Quelle: Rundblick, 1. Jahrgang, 48. Woche, Dezember 1977 Müsen.

Alle Jahre wieder - am Nikolaustag, dem 6. Dezember - bietet sich dem Feriengast in einem der schönsten Stadtteile des Luftkurortes Hilchenbach, in Müsen, ein ungewohntes Bild. Schnaufend und brummend, mehr gezogen als selbst trabend, wird ein Bär von einer lustigen verkostümierten Menge durch den Ort geleitet. Fragt man einen älteren Müsener Bewohner über diesen wohl im Siegerland einmaligen Brauch, dann wird der Interessierte in das Jahr um 1870 - also nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges - zurückversetzt, wo alljährlich ein lustiges Zigeunervölkchen mit einem Bären im Gefolge das heute fast 900 Jahre alte Dörfchen Müsen aufsuchte. Die Zigeunergruppe war bei den Müsenern beliebt und als eines Tages der Zigeunerführer mit seinem Bären - aus welchen Gründen auch immer - fernblieb, wollte die Bevölkerung auf das gewohnte Bild nicht verzichten. Fortan gründeten die Müsener Junggesellen eine eigene Bärengruppe, bestehend aus dem Dirigenten, einem Neger, dem Bären und seinem Führer, dem Schweinskopf (Säukopp), Zigeunerinnen und Zigeunern, Teufelsgeiger, Knutsch, Clown und Pirat. Und weil das Volk dabei viel Spaß hatte, durfte ein Kassierer nicht fehlen. Schwierigkeiten bereitete den Müsenern zunächst die Beschaffung des Bärenfelles, das im Jahre 1880 noch aus Stroh geflochten wurde. Zu einem unliebsamen Zwischenfall kam es im Jahre 1893, wo beim großen Müsener Brand ein Teil der Wohn- und Geschäftshäuser ein Raub der Flammen wurde. In der allgemeinen Hektik wurde eine als Bär verkostümierte Person mit einem Messer erstochen, wobei bis heute noch Unklarheit über den Täter und das Tatmotiv besteht. Der Brauch des Bärenleitens wurde damals vorübergehend von den Ordnungshütern verboten. Zu Beginn dieses Jahrhunderts lebte der Brauch des Bärenleitens in Müsen wieder auf. Es waren die "Neuntöter", Junggesellen der Jahrgänge 1905 - 1907, die die Bärengruppe bildeten. Von den "älteren Semestern", denen Emil und Hermann Schreiber, Johannes Bohn, Hans Becker und Theo Franz angehörten, weiß Ernst Setzer (72) zu berichten, daß man in origineller Verkostümierung, wobei der Bär ein aus Jutesäcken angefertigtes Fell besaß, am Nikolaustag gegen 18.00 Uhr im Jahre 1925 den Gasthof Sonneborn aufsuchte, um sich mit Schuhwichse und "allerlei gefährlichem Zeug" einzureiben. In entsprechender "Kriegsbemalung und selbst angefertigten Kostümen zog die Bärengruppe ab Ortsgrenze Dahlbruch - Müsen langsam von Haus zu Haus. Für die "Dressurvorführung mit Begleitmusik" erhielten die Bärentreiber hier und ein paar Pfennige und ab und zu landete auch ein Stück Speck oder gar eine geräucherte Wurst in dem großen Schlapphut des Bärentreibers. Zahlreiche mit Korn und Wacholder gefüllte Fuhrmannspinnchen waren wohl die Ursache dafür, dass man erst gegen Mitternacht den Gasthof Sonneborn im Ortsmittelpunkt erreichte, wo in den Jahren 1925 bis 1928 die Spenden der Bevölkerung gerade für eine gute Nachtmahlzeit und einige Krüge Gerstensaft ausreichten. Geselligkeit stand im Mittelpunkt des Treffens der Junggesellen, die sich meistens am Tag zuvor zur Wehrfassung in Hilchenbach vorgestellt hatten. Wie Ernst Setzer zu berichten weiß, kam es nach einer ausgedehnten nächtlichen Feier vor, dass der Neger morgens noch in voller Schminkmontur im Bett lag, was die Mutter des Betroffenen zu einem Schrei des Entsetzens veranlasste. Nachdem man das Fell des Bären im wahrsten Sinne des Wortes versoffen hatte, war es schwer, die nach alten Hausrezepten angefertigte Schminke zu entfernen und so kam es, dass die Junggesellen noch einige Tage mit gefärbten Körperpartien einherliefen.

Am 6. Dezember dieses Jahres wird die Bärengruppe von den jungen Faustballern des Turn- und Sportvereins Müsen gestellt, die in origineller Kleidung gegen 13.30 Uhr mit dem Bärentreiben in der Hörbachstraße in Dahlbruch beginnen. Zu dem inzwischen traditionellen Bärenball laden die Akteure um 19.30 Uhr in die alte Turnhalle nach Müsen ein.

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