Kunstrasen ist kein Ersatz für Bolzplatz

Die Winterbach-Arena in Dahlbruch wird nicht als Bolzplatz freigegeben. Mit großer Mehrheit ist der Jugend- und Sozialausschuss am Donnerstag dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt und hat einen Bürgerantrag aus den Reihen der „Müsener für Müsen“ zurückgewiesen.
Die Initiative, die regelmäßig Stammtische zu Themen des Dorfs veranstaltet, hatte eine Alternative zu der lange geplanten Anlage eines Bolzplatzes aufzeigen wollen. Mit der wenigstens vorübergehenden Freigabe des Fußballplatzes in Zeiten, in denen die Sportvereine ihn nicht belegen, könne zumindest herausgefunden werden, „ob ein Bolzplatz überhaupt gebraucht wird“, sagte Ulrich Bensberg (UWG). Der Stadt stehe es zudem gut an, „nicht ohne Not Schulden zu machen.“ Ein Argument, das Kämmerer Udo Hoffmann ausnahmsweise nicht überzeugte: Die 20 000 Euro kommen von einem Sponsor und werden von Jahr zu Jahr neu im Haushalt veranschlagt, weil mögliche Standorte zwar gleich im Dutzend geprüft worden, letztlich aber alle im Dorf durchgefallen waren.

„Normale Bürger außen vor“

Michael Stötzel (SPD) gab den Auftrag zurück: „Lasst uns eine geeignete Fläche in Müsen finden.“ Der Kunstrasen im Nachbarort sei „sehr strapaziert“, die Anlage durch die beiden Fußballvereine FC Hilchenbach und Red Sox täglich ab 15 Uhr belegt, und auch in den Herbst- und Osterferien gebe es keine Spiel- oder Trainingspause. Der Austausch eines demolierten Kunstrasens sei „wesentlich teurer als die Anlage eines Bolzplatzes“, warnte Christian Gerhard (CDU). „Für dieses Schatzkästchen haben wir richtig gekämpft“, sagte Peter Gebhardt (FDP). Kinder und Jugendliche würden sich nicht an Belegungszeiten orientieren, wenn sie Lust zum Fußballspielen hätten. Der Bolzplatz sei eine einfache Alternative: „Sechs Balken aneinander nageln und auf eine Wiese stellen.“

Nur Christiane Natusch (Grüne) stimmte am Ende mit Ulrich Bensberg (UWG) für den Bürgerantrag: „Es ist nicht nur für Vereinsbesucher gesund, Sport zu treiben.“ Statt die Anlagen zu öffnen, sei nach Dahlbruch auch in Hilchenbach ein bis dahin offener Sportplatz mit Tartanbahn und Kunstrasen versehen und verschlossen worden. „Wir haben die normalen Bürger völlig außen vor gelassen.“ Stadtrat Udo Hoffmann teilte diese Auffassung nicht: „Sie können ja auch nicht in jede Turnhalle gehen, wann Sie wollen.“ Stadtsportverbandsvorsitzender Otto Stein wies darauf hin, dass der Kunstrasen in Dahlbruch mit Mitteln des Landessportbundes gefördert worden sei: „Die sind an die Vereine gebunden.“

Fachbereichsleiter Werner Krönert kündigte an, die Jugendpflege werde sich darum bemühen, dass die Fußballvereine bei den nächsten Ferienspielen ein offenes Angebot auf den Kunstrasenplätzen machen. Ulrich Bensberg (UWG) regte an, statt über einen Bolzplatz über einen Platz nachzudenken, „wo sich die Generationen treffen können“ — auch zu Spiel und Sport. Werner Krönert äußerte Zweifel an der Müsener Befragung von Jugendlichen, von denen nur wenige ausdrücklich einen Bolzplatz gewünscht hatten: „Wäre Fußball-WM gewesen, hätten wir ein anderes Ergebnis gehabt.“         Steffen Schwab

Quelle: Der Westen, 15.11.2012