Bürgermeisterwahlkampf Hilchenbach

Keine großen Wortgefechte

Müsen. Die beiden Hilchenbacher Bürgermeisterkandidaten trafen beim Müsener Dorfgespräch erstmals zu einer öffentlichen Diskussion aufeinander.

js - Einen Heimvorteil hat keiner der beiden Protagonisten, die im Rahmen des „17. Müsener Dorfgesprächs“ erstmals in einer öffentlichen Gegenüberstellung aufeinander treffen – oder besser: Beide haben ihn. Die Biografien der Kandidaten um das Amt des Hilchenbacher Bürgermeisters, Sven Wengenroth (SPD) und Holger Menzel (parteilos), sind eng mit dem Bergmannsdorf verbunden. Wengenroth kam als Teenager nach Müsen, seine Eltern betrieben dort einen Gasthof, der Genosse kennt das Dorf, das Dorf kennt ihn – auch wenn er inzwischen in Hilchenbach wohnt. Menzel lebt noch heute „überm Wasser“, ist im Vereinsleben aktiv, hat mit dem Erwerb des früheren Landkaufhauses Setzer – heute ein Getränkemarkt – so etwas wie private Wirtschaftsförderung betrieben. Wirklich verwunderlich ist es daher nicht, dass sich die beiden Konkurrenten fair, respektvoll, ganz ohne Fouls begegnen. Die Zeit großer Wortgefechte hat also nicht begonnen – wenn sie denn überhaupt noch kommen sollte.

Begeisterung statt Langeweile

Dass im Laufe des Abends tatsächlich auch das Wort „langweilig“ fällt, ist in erster Linie einer pfiffigen Idee der Veranstalter (Initiative „Müsener für Müsen“) zu verdanken. Sie lassen im überfüllten Saal des Feuerwehrgerätehauses Bierdeckel austeilen, auf denen die Anwesenden ihre Fragen an die beiden Kandidaten formulieren und aus der Deckung der Anonymität heraus von Moderator Wolfram Bensberg verlesen lassen. „Langweilig“ seien die beiden Wahlkämpfer, weil sie alles richtig machen wollten, meint ein unbekannter Fragensteller. „Was begeistert euch?“, will er die beiden aus der Reserve locken. Die Schönheit der heimischen Natur ist es bei Radsportler Holger Menzel; die Feste in Müsen und die Vielfältigkeit der Vereine bringen Sven Wengenroth ins Schwärmen.

Wieso kandidieren?

Aus welchen Motiven treten die beiden überhaupt an? „Ich liebe diesen Beruf und interessiere mich sehr für Politik“, betont Sven Wengenroth, der als stellv. Personalrat bei der Stadt Siegen tätig ist. Er habe das nötige Know-how, bringe Persönlichkeit mit. „Ich möchte etwas bewirken.“ Die „aktive Mitgestaltung der Zukunft meiner Heimat“, bringt Holger Menzel seinen Antrieb auf den Punkt. Wichtig sei es ihm dabei, ohne Parteizugehörigkeit und Reglementierungen Ideen durchzusetzen, die er aus Sicht der Bürger für richtig halte. Auch Vorbilder nennen die beiden Kandidaten auf Anfrage: Bei beiden sind es die eigenen Eltern. Wengenroth nennt zudem seinen Genossen Helmut Schmidt; Menzel den Unternehmer und zugleich seinen ersten Arbeitgeber Heinrich Weiss.

Was ist mit dem „Kulturellen Marktplatz“?

Doch zurück zu den eigentlichen Inhalten. Eine klare Position zum „Kulturellen Marktplatz“ (siehe auch Bericht rechts) ist gewünscht. Der 40-jährige Sozialdemokrat spricht sich inzwischen für das Projekt aus, da er keine alternative Finanzierung für die dringende Sanierung des Gebäudekomplexes am Dahlbrucher Bernhard-Weiss-Platz sieht. „Ich habe dennoch die Sorge, dass die anderen Projekte aus dem Dorfentwicklungskonzept darunter leiden.“ Der 44 Jahre alte Einzelbewerber bekennt sich deutlicher zum Großprojekt: Immer sei er ein Freund der Idee gewesen, die Strahlkraft nach außen zweifele er nicht an. Ohne den „Kulturellen Marktplatz“ werde gar nichts umgesetzt vom Dorfentwicklungskonzept, befürchtet er.

Das bisschen Haushalt...

Die Ausgaben verringern, etwa durch interkommunale Zusammenarbeit oder eine Überprüfung der Verwaltungsstrukturen – das ist für Sven Wengenroth ein Ansatz in Richtung Haushaltskonsolidierung. „Ganz allein werden wir dieses Problem aber nicht lösen“, sagt er mit Blick auf die Gemeindefinanzierung. Weniger Spielraum sieht da Holger Menzel. „Die Aufgaben der Verwaltung werden nicht weniger.“ Sparpotenzial sei begrenzt – daher müsse nach neuen Einnahmemöglichkeiten gesucht werden, Stichworte: Wirtschaftsförderung und Tourismus.

Wie viele Ortsvorsteher müssen sein?

Zwei „Müsener“ sind es also, beide mit langjähriger Verwaltungserfahrung, die am 13. September Bürgermeister der Stadt Hilchenbach werden möchten. Beide möchten den Rat moderieren, die Kommunikation und Transparenz verbessern, Provokationen vermeiden und Nichtöffentliches wieder in die Nichtöffentlichkeit schieben. Worin aber unterscheiden sich nun ihre Ansätze? Keine Einigkeit herrscht etwa beim Thema Ortsvorsteher. Menzel möchte sie überall dort installieren, wo sie gewünscht sind; Wengenroth findet die jetzige Regelung ausreichend. Die Karten werden ohnehin neu gemischt, wenn bei der nächsten Kommunalwahl die Grenzen der Wahlbezirke verschoben werden müssen, erinnert der Sozialdemokrat.

Parteigebunden vs. parteilos

Den „Hauptunterschied zwischen uns beiden“ benennt Wengenroth ohne Umschweife: Er selbst tritt als Parteibewerber für die SPD und die CDU an, Holger Menzel ist Einzelbewerber. „Das gibt mit mehr Selbstvertrauen“, verrät Wengenroth. „Ich muss nicht immer auf der Suche nach einer Mehrheit sein.“ Auch Menzel setzt auf diesem Unterschied, sieht sich dabei aber im Vorteil. So manche Entscheidung sei in der Vergangenheit aus Prinzip statt aus Sachlichkeit gefallen. Man habe es im Leben aber stets mit Kompromissen zu tun und oft sei es richtig, diese einzugehen. Angst vor einer dauerhaften Blockadehaltung im Rat hat er nicht. Als Unabhängiger könne er auch für die Fraktionen von SPD und die CDU sein – wenn es sachorientiert und die beste Lösung sei.

Quelle: Siegener Zeitung, 05.06.2015

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